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Monopol Magazine

Art & Economy
March 16th, 2011

Die 5. Art Dubai feiert ihren Aufstieg zum wichtigsten Kunsthandelsplatz des Nahen Ostens. Politische Realitäten bleiben dabei außen vor. Ein Rundgang

Im Resort
Elke Buhr

JOANA HADJITHOMAS AND KHALIL JOREIGE

JOANA HADJITHOMAS AND KHALIL JOREIGE “Wonder Beirut #17, 1/5 1/5”, 2008, Courtesy of artist, CRG Gallery and In Situ / Fabienne Leclerc

Bei der Artspace Gallery aus Dubai fand sie dann doch statt, die jüngste Revolution in den arabischen Ländern: Sie zeigte Gemälde des 75-jährigen ägyptischen Künstlers George Bahgory, seit langem in Paris lebend, Bilder, die die Revolte in postexpressionistischer Direktheit als Schrei der Jugend inszenieren, und stellte dazu ein Video mit Fernsehaufnahmen vom Sturz Husni Mubaraks in Ägypten.

Ganz real ist allerdings der wachsende Erfolg dieses Messeplatzes. Zwar ist die Art Dubai mit 81 Galerien aus 34 Ländern weiterhin äußerst überschaubar, aber in der Region ist sie die wichtigste Messe, und auch international findet der Termin im März, bei angenehmen 25 Grad und in bester Fünf-Sterne-Umgebung, immer größeren Anklang. Mit 30 Prozent Besucherplus rechnete die neue Messechefin Antonia Carver nach der Eröffnung. Diese Besucher finden ein Angebot, das mittlerweile perfekt auf die Bedürfnisse der Käufer aus der Region zugeschnitten scheint: vor allem junge, ruhig auch konzeptuell angehauchte, oft vielschichtige Kunst aus den arabischen Ländern, Indien, Pakistan. Doch ansonsten ist die Art Dubai nicht unbedingt ein Ort, an dem man den politischen Realitäten der Region besonders nahe kommt. Dazu trägt schon die Location bei: Die Messe findet in zwei großen Sälen eines der bekanntesten Resorts des an Luxushotels nicht eben armen Emirats statt, im “Madinat Jumeirah”, das mit künstlichen Seen und arabisch angehauchter Imitat-Architektur einen Höhepunkt modernen Kulissenbaus darstellt.

In ihrem fünften Jahr kann die Art Dubai ganz offensichtlich auf eine wachsende Expertise ihrer vorwiegend jüngeren Sammler im Umgang mit zeitgenössischer Kunst zurückgreifen: Das verdankt sie der lebendigen Galerienszene, die sich seit der extrem erfolgreichen Ansiedlung von Christie’s in Dubai verstärkt entwickelt hat. Carver, vor ihrem Wechsel zur Art Dubai Kunstkritikerin der Zeitschrift Bidoun und seit Jahren in Dubai ansässig, betonte zur Eröffnung das nachhaltige Wachstum der hiesigen Kunstszene. Sie verstehe die Messe als einen „Katalysator, der Asien und den Nahen Osten mit dem Rest der Welt vernetzt“.

Als dezidiert junge Kunstmesse ist die Art Dubai bei den Preisen zurückhaltend. Die spektakuläre große Matten-Skulptur des ghanaischen Künstlers El Anatsui bei Londoner October Gallery war mit ihrer Preisangabe von 1,4 Millionen Euro ein klarer Ausreißer: Ansonsten sind die teureren Arbeiten hier für bis zu 50.000 Euro zu haben, und auch schon im Preisbereich unter 5.000 Dollar kommt man gut zum Zuge.

Keine übertriebenen Preise also, aber durchaus spannende Kunst und große Qualität. Von Yto Barrada stammt eine Bilderserie bei der Galerie Sfeir-Semler, die aussieht wie abstrakte Op-Art: Aber es handelt sich um Adaptionen von Buslogos, die illegal Reisenden in einer Art Geheimcode ganze Geschichten erzählen, wie die Texttafel dazu enthüllt. Eine Neonwand von Leila Pazooki aus Teheran bei der deutschen Galerie Christian Hosp sucht ironisch nach dem „Picasso of India“ und dem „Christo of China“: Aber eigentlich haben die dortigen Kunstszenen das längst nicht mehr nötig. Hosp hat außerdem Nadia Kaabi-Linke im Programm, in Berlin lebende Künstlerin mit teilweise tunesischen Wurzeln: Sie war eine von fünf Gewinnern des Abraaj Capital Art Prize, die sich insgesamt eine Million Dollar für die Produktion eines aufwendigen Werkes teilen, das auf der Messe präsentiert wurde. Mit Timo Nasserikam ein weiterer in Berlin lebender Künstler in den Genuss dieses Preises, der den Nachwuchs aus dem Nahen Osten und Asien stärken soll.

Die zweite aus Deutschland angereiste Galerie war Johann König. König, zum ersten Mal in Dubai, zeigte mit sehr witzigen großformatigen Blech-Blumenvasen vonMichael Sailstorfer und Gemälden von Johannes Wohnseifer eine Koje, wie sie auch in Berlin oder London hätte stehen können, und berichtete prompt nicht gerade von einem Sammleransturm. Hype lösen hier eher junge Iraner aus, oder bewährte Stars wie Subodh Gupta, von dem eine „Landschaft“ aus Küchenutensilien zu sehen war. „I look at things with eyes different from yours“, erinnert ein Werk von Shilpa Gupta bei der italienischen Galleria Continua – der Spruch ist auf einen Spiegel gedruckt.

So ist die diesjährige Art Dubai ein weiterer Beleg dafür, wie selbstbewusst sich die internationale Kunstszene von den früheren Zentren New York oder London emanzipiert hat. Hammad Nasar von der Londoner Galerie Green Caramon brachte es auf den Punkt: „Für mich ist die Kunstwelt nicht um den Atlantischen, sondern um den Indischen Ozean herum konzentriert“. Nasars junge Künstler haben fast alle an der National Art School in Lahore, Pakistan studiert: „Meiner Meinung ist diese Kunstschule heute so bedeutend wie das Goldsmith-College in den 90er-Jahren in London“, schoss Nasar zufrieden.

Art Dubai, bis zum 19. März 2011